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Das Projekt „Theater im Selfie-modus“ ist für die Jugendfreizeiteinrichtung Villa Pelikan der AWO Spree Wuhle konzipiert. Die Jugendfreizeiteinrichtungen der AWO-Spree-Wuhle bieten professionelle Betreuung und Freizeitangebote für Berliner Jugendliche an. (Zu den Terminen)

Die AWO Spree Wuhle ist für dieses Projekt „Konsortiumsführer“ im Bildungsbündnis für „Kultur macht Stark“.

Unser Bildungsbündnis hat (unter der künstlerischen Leitung von Anna Girs, diplomierte Film-, Theaterregisseurin, Videokünstlerin) bereits einige Projekte zu unterschiedlichen Themen und mit unterschiedlichen Methoden in dieser Einrichtung durchgeführt.

Dabei haben wir die Jugendlichen, ihre Sorgen und Wünsche und ihre Familien kennengelernt. Auf Grund dieser Arbeit wurde festgestellt, dass die in diesem Sozialraum lebenden sozial benachteiligten Kinder und Jugendlichen starke Suchttendenzen bei der Benutzung von Smartphone und sozialen Medien aufweisen. Das ist natürlich kein Phänomen das spezifisch dort auftritt, denn das Smartphone ist der ständige Begleiter unserer Zeit, jedoch ist es hier sehr ausgeprägt und es fällt auf, dass die Interaktion mit verschiedenen Apps ständig und nebenbei abläuft. Dadurch wird eine Selbstwirksamkeit suggeriert, die aber eher Fernsteuerung durch den Logarithmus ist. Viele Jugendliche sind Konsumenten von Instagram, TikTok, Youtube usw., wo es in erster Linie um die Selbstdarstellung im „Selfie-Modus“ geht. Das wird durch Nachahmung von vorgefertigten Tanz-und Sprechsequenzen erreicht oder durch das Einnehmen von immer gleichen, durch die App vorgegebenen, Posen. Wir wollen diese Spirale unterbrechen und gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen auf die Suche nach anderen (Selbst-) Darstellungsformen machen und neue Präsentationsräume erforschen. Dieser Weg führt uns zum Theater, die Kunstform, die den eigenen Körper und die eigene Stimme benutzt. Ausgehend vom Erleben eines altersgerechten Theaterstückes, werden wir über die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten zwischen Darstellungen und Rollen im Theater und den Darstellungen von sogenannten Influencern und Stars in den sozialen Netzwerken sprechen. Wir stellen den Teilnehmer*innen (TN) eine neue Methode des künstlerischen Ausdrucks vor und arbeiten damit. Die TN werden dann selbst zu Dozenten und geben uns einen Workshop für die Benutzung von Instagram, TikTok, Youtube u.ä. Gemeinsam entwickeln wir Performances, Szenen, Videos, Gifs und Stories und formen daraus eine Präsentation.

Methode:

Im Vordergrund unserer Methode steht eine Haltung von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung unseren TN, der Jugendfreizeiteinrichtung und den gastgebenden Theatern gegenüber. Das drückt sich im Projekt ganz konkret darin aus, dass wir und die TN uns gegenseitig einen Workshop geben.

Fehler gehören zum kreativen Prozess und wer sich ausprobiert und neue Wege geht macht zwangsläufig Fehler. Wir wollen ganz bewusst und ausdrücklich zum verlassen unserer Komfortzonen ermutigen. Kunst liegt jenseits von Richtig und Falsch. Auch Konflikte sind Teil einer Gruppenarbeit und etwaige Meinungsverschiedenheiten oder Konflikte wollen wir in einer Vielfalt unserer Ergebnisse zeigen. Wir nutzen die Freiheit die „Entdecker*innen" haben, nicht wissen zu müssen wohin die Reise geht, sondern gemeinsam eine „Karte“ der neuen Wege zu zeichnen, die sich am Ende in kleinen Performances, Szenen und Videos, als „Skizzen“ präsentieren werden. Diese integrativen Herangehensweisen sind für die Kinder und Jugendliche, die in unserer Zielgruppe sind sehr wichtig, da sie aus der Schule und von der Seite ihrer Familie oft klaren und nicht immer nachvollziehbaren oder begründeten Hierarchien unterliegen. Wir werden für unsere Arbeit die Angebote von ACT e.V. Berlin nutzen, die Kartensets von Maike Plath („Das theaterpädagogische Mischpult“), sind ein praktisches Werkzeug zum Erstellen von Theater- und Tanz-, Sequenzen und Performances und zeigt das Theater nicht „schwer“ ist, sondern Spaß macht und Jede*r sofort mitmachen kann. So erleben die TN sich als Akteure und Regisseure. Ein Rahmen ist vorgegeben und sie haben die Möglichkeit ihren ästhetischen Blick zu entwickeln. Es gibt Struktur mit deutlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten, als die vorgegebene, Choreografien in den Apps, die die Kinder und Jugendlichen benutzen. So wird Selbstwirksamkeit erlebt und kann sofort gelebt werden. Das kann Veränderungen in Gang setzen, die weit über unser Projekt hinaus, die Kinder und Jugendlichen positiv beeinflussen und ermächtigen sollen.

Simon Mayer Theaterpädagoge, Schauspieler und Ensemblemietglied des Theaterforum Kreuzberg übernimmt die theaterpädagogische Leitung im Projekt.

Dauer:

Insgesamt sind in der Zeit vom 21.10.2019 bis 01.12.2019 28 Projektstunden (inklusive Vor-, und Nachbereitung) an 5 Wochenendtagen geplant.

Tag 1: Wir laden Kinder und Jugendliche zum Spielen in der Villa Pelikan ein.(/ Wir spielen mit unseren TN in der Villa Pelikan.) Dabei lernen wir uns kennen, erkunden den Theaterbackground und die Motivation der TN und stellen den Ablauf des Projekts vor. Smartphones sind in diesem Fall nicht wie üblich verboten und werden ausgeschaltet, sondern ins Spiel eingebaut. Die TN sind die Entdecker*innen. 4 Stunden

Tag 2: In der Villa Pelikan geben uns Kinder und Jugendliche einen Workshop. Wir, die Leitung Leiter*innen, werden zur Entdecker*innen. Wir werden von Kindern und Jugendlichen in die Welt der Apps (Instagram, TikTok etc.) eingeführt. Sie klicken und swipen uns durch ihre Accounts und stellen sich gegenseitig und uns digitale Formen der Selbstdarstellung vor. Zusammen suchen wir nach parallelen zur Darstellung, die ihnen aus dem Theater bekannt ist. Anschließend richten wir unser gemeinsamen Account "theater im selfiemodus - Villa Pelikan" ein, wo wir gemeinsam kontinuierlich unsere Ergebnisse dokumentieren und die Kinder und Jugendliche ihre Inspirationen sammeln und selbständig posten können. 6 Stunden

Tag 3: Wir sind wieder in der Villa Pelikan und sammeln verschiedene Ideen für unsere eigene Performance. Wir benutzen Techniken, Spiele und Übungen, durch die man schnell zu einer Performance kommt. Die TN sind dabei abwechselnd in der Rolle der Akteure und der Zuschauer. 6 Stunden

Tag 4: Der letzte Tag in der Villa Pelikan, an dem wir spielen, Proben und Schauspiel und Theater mit der Benutzung von Apps verbinden. An diesem Tag wird die Arbeit an eigenen Performances, Szenen und Videos fortgesetzt. Eventuell entsteht eine kleine Präsentation. Wir sammeln Eindrücke über die gemeinsame Zeit und kommen mit den TN ins Gespräch über unser Folgeprojekt. Dabei werden wir auch Ideen für ein etwaiges Projekt „Theater*Spielerinnen“ sammeln. 6 Stunden

Tag 5: Wir treffen uns in der Villa Pelikan zu einem selbstgemachten Mittagessen und fahren anschließend gemeinsam ins Grips Theater. Die Kinder und Jugendlichen bekommen eine Führung durch Garderoben, Werkstätten usw.. Sie treffen Schauspieler und andere Theaterleute, kommen auf die Bühne und zur Bühnen-Technik, so bekommen wir einen Einblick in die Arbeit am Theater und dürfen Fragen stellen. Dann schauen wir uns das Stück "Alle außer das Einhorn" an. Anschließend machen wir noch eine ausführliche Nachbesprechung. 6 Stunden

Es nehmen 15 bis 20 Kinder und Jugendlichen von 6 bis 15 Jahren an dem Projekt teil. Die Altersgruppe wird bewusst breit gehalten, um möglichst viele Kinder und Jugendlichen anzusprechen und die Möglichkeit zu vergrößern, unter ihnen die beständige Gruppe für weiterführende Arbeit einzugrenzen und zusammen zu führen. Es werden Eltern gesucht, die das Projekt ehrenamtlich begleiten.